Politik zu machen bedeutet für mich auch, in den Spiegel schauen zu können.

Ihre Mutter Barbara Stamm ist ein Urgestein in der CSU und ehemalige Landtagspräsidentin. Auch die Tochter wurde Politikerin – aber ausgerechnet als Abgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag. Claudia Stamm, die auch studierte Philosophin ist, könnte gar nicht anders, als für ihre Werte und Überzeugungen einzustehen. Kraftvoll gegen den Strom zu schwimmen, wenn es nötig ist.

Überhaupt Rückgrat haben, das ist seit Kindertagen in Claudias DNS verankert. Schon als Kind zeigte sich ihr Gerechtigkeitssinn. Als sie mit zehn in ein Internat kam, in dem katholische Nonnen das oftmals ungerechte Regiment führten, da lernte sie, für andere und für sich selbst ein- und aufzustehen.

Claudia legte bei den Grünen eine bemerkenswerte Karriere hin – dem Landtag gehörte sie als Sprecherin für Haushalt und Jugend von 2009 bis 2018 an. Außerdem war sie queer- und gleichstellungspolitische Sprecherin. Bis sie im März 2017 rabiat mit den Grünen brach und die Partei verließ: Die Grünen standen schlicht nicht mehr für jene Werte ein, die ihr wichtig waren. „Ein notwendiger Schritt“, sagt Claudia, „hätte ich da weiter mitgemacht, dann hätte ich mir selbst nicht mehr in die Augen sehen mögen.“

Fotos: BRIGITTE 06/2019

Ohne Mut ging das Ganze nicht. Es erforderte auch einiges an Standing, um nach dem aufsehenerregenden Austritt den Anfeindungen standzuhalten – und dann gründete Claudia Mitte 2017 selbst eine Partei. Genau die Partei, die in ihren Augen in der bayerischen Parteienlandschaft fehlte, die unbedingt gebraucht wurde.

Diese Partei heißt MUT und steht ein für alles, was Claudia politisch wichtig ist: für eine menschenwürdige Asylpolitik und soziale Gerechtigkeit, für gesellschaftliche Vielfalt, ökologische Nachhaltigkeit und eine lebendige Demokratie. Wo ein „für“, da auch ein „gegen“: Nach dem strukturellen Rechtsruck in allen Parteien war MUT die Lösung, ganz klar dagegen zu halten. Unverhandelbare Positionen im Portfolio zu haben, das muss laut Claudia sein.

Sie sprang einfach ins kalte Wasser, mit Ende 40, und das aus tiefster Überzeugung. Mit dieser Partei wollte sie bei der Wahl 2018 wieder in den bayerischen Landtag einziehen, und war die Chance noch so gering. Die Mitglieder von MUT sind überwiegend Menschen, die ihre Grundwerte in den anderen Parteien nicht mehr vertreten sehen, die nicht mehr wissen, wen sie wählen sollen. Claudia sagt: „Alles, was ich gemacht habe, habe ich immer als notwendig empfunden. Als unvermeidbar.“

Eine Frau mit ganz viel Kraft, das liegt auf der Hand. Mitten im Wahlkampf starb ihr Mann Hajü überraschend an einem Herzinfarkt. Mit ihm hat sie zwei Töchter, zur Familie gehören auch seine drei erwachsenen Kinder.

Fotos: Facebook

Mutig findet sie sich selbst übrigens nicht, eher hält sie es mit dem Begriff „Zivilcourage“. Soll mal besser keiner in der S-Bahn einen Schwächeren anpöbeln, wenn Claudia dabei ist – dann geht sie dazwischen, ohne lang zu überlegen. Soziale Gerechtigkeit – einer ihrer wichtigen Grundwerte. Den sie im übrigen mit ihrer Mutter teilt, einerlei wie hart sie gerade noch mit ihr diskutiert und sich politisch gezofft hat.

MUT schaffte es 2018 noch nicht über die Fünf-Prozent-Hürde. Aber vielleicht bei der nächsten Wahl.

Es braucht viel mehr Menschen wie dich, Claudia. Menschen, die mutig genug sind, für echte Werte, sich und andere aufzustehen. Wir freuen uns riesig, dass du beim GUK dabei bist!

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